Über mich

Krankheit versuche ich als meine Chance zu begreifen. Ein Prozess, der mal mehr und mal weniger funktioniert. Nur eins habe ich begriffen: ohne den Willen und die Bereitschaft zur Veränderung werde ich ein erfülltes, zufriedenes, vielleicht sogar glückliches Leben nicht mehr führen. „Gebe der Chance eine Chance“ lautet mein Credo.


Die Multiple Sklerose mit progredientem Verlauf lähmt meine rechte Seite. Ein Leben, wie ich es gewohnt war, ist schon lange nicht mehr möglich. Ich war 49 Jahre alt, als ich aufhören musste, fußläufig mit anderen mithalten zu können.

 

Ich hatte einen super interessanten Job. Hatte, weil ich mittlerweile erwerbsunfähig bin. Ich bin Jahrgang 60 und für eine Frührente eigentlich noch nicht bereit. Weder finanziell, noch emotional. Als Eventmanagerin bei einer großen Messegesellschaft bin ich mit vielen interessanten Menschen zusammen gekommen, habe zwischen Konzepten und der Umsetzung jongliert und die Kommunikation mitgesteuert. So hätte ich es noch gerne viele Jahre weiter gemacht. Hätte!

 

Das Schicksal meint es aber anders und ich bemühe mich zu verstehen, was es mit mir vorhat. Noch etwas habe ich begriffen: mich gegen das Schicksal aufzulehnen, mich dagegen zu stemmen, bringt nichts. Es ist ganz einfach stärker als ich! Also nehme ich es an. Allerdings nicht ohne weiter an meiner Gesundheit zu arbeiten und felsenfest daran zu glauben. Die Veränderung in meinem Leben stellt mich aber erstmal vor die Frage: „welche Chance bietet mir die Krankheit“?

 

Tatsächlich habe ich zwei Möglichkeiten, mit meiner Situation umzugehen, erstens: ich kann mir all das anschauen, was ich nicht mehr kann und daran verzweifeln, zweitens: ich kann mir die Chancen anschauen, die sich nun neu ergeben und daran erstarken. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit und widme mich aktuell den Dingen, die ich schon immer tun wollte, mir aber dazu in noch fester Berufstätigkeit die Zeit vorne und hinten fehlte. Ich werde schreiben, schreiben ...

 

Parallel zu meinem Job habe ich 2010 über zwei Jahre eine zusätzliche Ausbildung begonnen zur ILP-Therapeutin (integrierte lösungsorientierte Therapie) und zur systemischen Beraterin. Diese lösungsorientierte Denk- und Arbeitsweise hat mich sehr darin bestärkt und unterstützt, nicht das Problem auseinanderzupflücken, sondern lösungsorientiert zu schauen, was anders zu machen ist, welche Ressourcen zu aktivieren und zu nutzen sind, um einer Lösung entgegen zu arbeiten. So sind Menschen zu motivieren, so kann man ihnen Mut zusprechen und so finden sie die Kraft, aus ihrer persönlichen Krise  herauszukommen. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, lösungsorientiert ihre Probleme anzugehen, und die Mutmachergeschichten werden ein Teil sein.

 

Die Rubriken der Mutmachergeschichten habe ich danach ausgesucht, was dem Menschen im Allgemeinen an Steinen alles im Wege liegen kann. Dabei schöpfe ich hier teils auch aus eigener Erfahrung. Dass ich neben „Krankheit, deine Chance“ mich auch mit „Restzeiten“ beschäftige, da ich nicht mehr in meinem Beruf arbeiten darf/kann, hatte ich schon erwähnt. Aber auch „frohe Scheidungskinder“ liegt mir persönlich sehr am Herzen. Meine beiden Jungs waren gerade fünf und acht, als meine Ehe zerbrach. Ihnen Eltern zu bleiben war für mich oberstes Gebot und hat restlos alle Vorbehalte ihrem Vater gegenüber in den Hintergrund gejagt.

 

Das Leben ist nicht immer ein Wunschkonzert. Ich bekomme es am eigenen Leibe zu spüren. Mein Ziel ist es, die Konzertgeigen wieder ans Klingen zu bringen. „Wenn etwas nicht mehr geht, mache etwas anders“, lautet mein lösungsorientierter Leitspruch. Ich wünsche allen Menschen in vergleichbar schwierigen Situationen die Kraft, das positive Denken und die Stärke Lösungen zu finden, so dass sie Neues und Lebenswertes entdecken können. Ich hoffe, sie können schon bald von Mutmachergeschichten profitieren.